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Archiv für den Monat Dezember 2008

21.-27.12.2008: Jakutsk - Magadan

geschrieben am 29. Dezember 2008 um 12:41 von pny2009

Wie baue ich an Weihnachten aus Langeweile ein Hinterachs-Differential

Am 24. befand ich mich noch in Aldan um das Expeditionsfahrzeug F1 zu reparieren und dieses dann mit Anhänger MJ46 nach Jakutsk zu fahren - was schlussendlich auch klappte (Ankunft 25. 01:00 Uhr). Die Reparatur an sich gestaltete sich jedoch extrem schwierig und ich benötigte gemeinsam mit meinem russischen Begleiter Dima zwei Tage und Nächte, da uns zu unserer großen Enttäuschung vom Zubehörhandel die falschen Kegel/Tellerradsätze geliefert wurden. Weil in Russland alles möglich ist, haben wir uns das Differential schlussendlich aus zwei falschen Differentialsätzen und mit der Unterstützung einiger Helfer in Aldan selbst gebaut.
Wie? Man nehme ein zu dickes Tellerrad, zerstöre es zu Testzwecken und drehe das Zweite dann mit Drehmaschinen, die gigantische Ausmaße haben, auf Maß ab. Dazu baue man diese Maschinen in stundenlanger Arbeit natürlich erst um, nachdem man die Produktion von Industrieteilen zuvor mit Hilfe eines verständnisvollen Direktors gestoppt hat. Um sich diese riesigen Maschinen nutzbar zu machen, stelle man vorher mit Hilfe eines nicht mehr benötigten Kettensatzes einer Raupe das geeignete Haltewerkzeug selbst her (diese Anleitung auf Anfrage :-) ). Genauso verfahre man mit den Kegelradwellen, nachdem man das benötigte Maß vorher in unzähligen Ein-/Ausbauversuchen ohne Messwerkzeug ermittelt hat. Dann benötigt man idealerweise einige alte Schrauben mit speziellem Zollgewinde, die man mit Hilfe einer Feile und ähnlich eines Geduldspiels zu Gewindeschneidwerkzeugen umbaut um neue Gewinde in das Tellerrad zu schneiden.
Dann lasse man sich von einem begnadeten, alten russischen Mechaniker noch drei 0,2mm Distanzscheiben von Hand dengeln und mixe diese mit anderen Scheiben aus den falschen Umbausätzen. Man benötigt nun eigentlich nur noch einige Stunden geduldige Einstellversuche, die händische Anfertigung eines Abziehers sowie eines speziellen Stemmwerzeuges und selbsthergestellte, dicke Unterlegscheiben (auf der schon erwähnten gigantischen Drehmaschine) und schon wird aus gar nix ein Differential, welches man sonst nur für viel Geld in den USA kaufen kann.
Um die ganze Sache abzurunden, empfiehlt es sich wenn die Müdigkeit und Kälte in den großen Hallen übermächtig wird die Gastfreundschaft von Helfern anzunehmen, hunderte von Telefon-Euros für Informationen auszugeben und sich natürlich nicht zu ärgern.
Nachdem ich dann am 24.12. nachts gemeinsam mit Dima, der mich irgendwie wachhielt um fahren zu können, in Jakutsk angekommen bin, flog ich 3 Stunden später am 25. in aller Herrgottsfrühe zu Gesprächen und um restliche Dinge zu erledigen nach Magadan. Evgeny ist über Habarowsk ebenfalls dorthin gereist.

Das restliche Team welches mich bis hierher begleite hat ist schon am 24.  mit einer der letzten Maschinen ausgeflogen und ist über kurz oder lang sicher in Deutschland eingetroffen.

An diese Stelle nochmals einen ganz herzlichen Dank an das super Team welches Evgeny und mich ab Moskau -  begleitet hat:
Astrid, Joachim, Marco, Hendrik ihr ward spitze. Es hat mir viel Spaß gemacht mit euch zu reisen. Danke für alle Unterstützung und das gemeinsame, im Grunde nie vergangene Lachen.

Das neue Team wird am 15.01. In Jakutsk eintreffen und auf die Reise durch Chukotka zur Beringstraße gehen.

Zu guter Letzt danke ich von hier aus allen für die Unterstützung auf der ersten Expeditionsetappe über rund 22000 km von Paris nach Jakutsk und wünsche allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Matthias Jeschke

 

15.-21.12.2008: Chita - Jakutsk

geschrieben am 22. Dezember 2008 um 11:01 von pny2009

XXL-Etappe mit Hindernissen

Kurz nach der  Abfahrt aus Ulan-Ude wurden die Aussenbedingungen noch viel härter als in der Mongolei: Mit Temperaturen bis minus 52 Grad waren Menschen, Maschinen und Material extrem beansprucht. Noch dazu waren wir auf der 2.650-Kilometer-Etappe von Ulan-Ude nach Jakutsk unterwegs, die wir nonstop zurücklegen wollten. Eine Belastung, die schon bald deutlich spürbar wurde. Völlig unverhofft entstanden innerhalb von ca. 200 Kilometern an den während des Fahrzeugumbaus extra gegen die Originaldifferenziale ausgetauschten Spezial-Hinterachsdifferenzialen beider Autos ein Schaden, der eine sofortige Weiterfahrt unmöglich machte.

Das Problematische an diesen beiden folgenschweren Ausfällen: Zuerst ist ein unüberhörbarer Schaden am F2 aufgetreten. Nach einer Harakiri-Bergungsaktion bei über -50° Celsius und Action, die in die Sendung “tollkühne Männer ohne Nerven” gepasst hätte, sowie einem Transport in eine Werkstatt der nächsten Siedlung (rund 120 Kilometer entfernten - Aldan), konnte dort der Schaden diagnostiziert und Ersatzteile aus Deutschland bestellt werden. Von dem Industriewerk aus ging gute 24 Stunden später für den F2 und sein Fahrerteam die Reise nach Jakutsk per Truck und Sattelauflieger weiter. Aber nur hundert Kilometer nach Fortsetzung der Fahrt trat am vorfahrenden F1 ein identischer Schaden auf. Dieses Mal mit noch dramatischeren unvorhersehbaren Konsequenzen, denn Matthias entschied, den ohnehin schon nicht mehr fahrbereiten F2 samt Trailer und allen Teammitgliedern die Reise nach Jakutsk, wo 24 Stunden später die erforderlichen Ersatzteile ankommen sollten, fortsetzen zu lassen. Er selbst verbrachte die Nacht am F1 und ließ sich in einer 10 Stunden-Aktion mit dem jetzt havarierten F1 zurück in die Werkstatt nach Aldan schleppen, um möglichst schnell Klarheit über den entstandenen Schaden zu gewinnen. Die Organisation weiterer dringend erforderlicher Ersatzteile, die aus Deutschland mit gebracht werden sollten, ist unter höchstem Zeitdruck geschehen.

Währenddessen hat das Team, das mittlerweile seit drei Tagen und Nächten unterwegs war, die Reise nach Jakutsk fortgesetzt, fand sich aber auch hier unvermittelt vor einer neuen Hürde: Vor der Einfahrt in die Stadt von Jakutsk muss die Lena überquert werden. Das Unglaubliche: Es gibt für diese große Stadt wirklich keine einzige Brücke! Auch nicht vor oder hinter der Stadt. Man muss zwangsläufig über den Fluss. Im Sommer gehen Fähren, im Winter friert er zu. Aber eben im Augenblick nur bis zu einer bestimmten Traglast, die wir weit überschritten haben. Also mussten unser Trailer und der Jeep auf einen kleineren Laster umgeladen werden. Und wieder Organisierei am Telefon: Wer macht’s? Woher kommt der Kran? Was kostet der Laster? Können überhaupt Jeep und Trailer umgeladen werden? Was passiert, wenn Matthias mit dem F1 ebenfalls Huckepack einen Tag nach uns an exakt dieser Stelle ankommt? Was heisst das alles für unseren Zeitplan? Die Liste der Fragen war schier grenzenlos!

An dieser Stelle möchten wir einmal allen Helfern für ihren Einsatz während dieser problematischen Fünftages-Etappe danken! Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich mit ungeheurer Intensität von Ulan-Ude, Jakutsk, Aldan und Deutschland aus bemüht haben, über die gesamte Zeit dieser von unvorhergesehenen Schwierigkeiten geprägten Strecke Lösungen zu finden und hilfreich mitzuwirken.

Insgesamt hat das gesamte Team rund fünf Tage durchgearbeitet und kaum geschlafen. Matthias ist wenige Stunden nach uns per Spezial-Minibus in Jakutsk eingetroffen. Von einem Hotel in der Innenstadt konnten wir danach in den vergangenen zwei Tagen viele Dinge regeln: die Entgegennahme der von Extrem Events extra beschafften Ersatzteile, die anstehenden Reparaturen am F2, Aufnahmen von der Stadt für das Buch des Ullmann-Verlags und die Filmdokumentation der Expedition, Reisevorbereitungen für alle Teammitglieder und vor allem Vorbereitungen für die Fortsetzung der Expedition im Januar in Richtung Beringstraße mit dem nächsten Team. Aufgrund der aktuellen Situation und der hervorragenden Infrastruktur in Jakutsk – eine gute Werkstatt mit dem sehr kompetenten und extrem hilfsbereiten Chef Serafim, ein internationaler Flughafen, die Möglichkeit, in der Großstadt schnell fehlende Dinge zu beschaffen, umfangreiche Film- und Fotogelegenheiten sowie Behörden, die erforderliche Durchfahrtsgenehmigungen für die Fahrt nach Chokotka ausstellen können – hat Matthias die Entscheidung getroffen, beide Fahrzeuge vorgezogen in Jakutsk und nicht wie zunächst geplant in Magadan für Chokotka und die Beringstraßenüberfahrung vorzubereiten. Darüber hinaus wird auch der Teamwechsel von Magadan nach Jakutsk verlegt. Nachdem die Rückflüge aller Teammitglieder nach Deutschland geregelt waren, ist Matthias heute Abend per Spezial-Minibus nach Aldan zurück gefahren, um dort den F1 zu reparieren. Wenn auch dieses Expeditionsgespann Mitte der Woche auf eigenen Rädern und aus eigener Kraft in Jakutsk eingetroffen ist, hat Matthias mit der Verlagerung der erforderlichen Arbeiten und aller organisatorischen Belange von Magadan nach Jakutsk für einen guten, sicheren und warmen Standort für beide Gespanne gesorgt und eine hervorragende Ausgangsbasis für die Weiterführung der Expedition im Januar geschaffen.

Astrid Wallner

Folgende Etappe wurde teilweise befahren: Ulan Bator - Jakutsk

 

12.-13.12.2008: Ulan Bator – mongolisch-russische Grenze – Ulan Ude

geschrieben am 15. Dezember 2008 um 14:49 von pny2009

Zurück nach Rußland

Auf unserem allerletzten Wegstück in der Mongolei waren wir doch so einigermaßen verblüfft: Die Mongolen können wunderbare Straßen bauen! Die 350 Kilometer zwischen Ulan Bator und der mongolisch-russischen Grenze waren astreiner Asphalt oder schnurgerader Plattenweg. Entsprechend kamen wir trotz zahlreicher Fotostops zügig voran und benötigten für diesen Weg etwa sechs Stunden. Da wir wegen unseres späten Aufbruchs nicht mehr rechtzeitig vor der Schließung der Grenze eintrafen, übernachteten wir spontan im grenznahen Ort Sukbaataar. Erneut waren wir dankbar für unseren Guide. Nasaa organisierte kurzfristig eine Übernachtungsgelegenheit für uns und eine Parkmöglichkeit für die Jeeps in einer Waschgarage. Dort konnten wir die Autos nach Schließung des eigentlichen Betriebs bis zu unserem Aufbruch am frühen Samstagmorgen im Warmen parken, damit nicht alle Gummis einfrieren und bei der allerersten Bewegung kaputt brechen.

Bei Vollmond und noch im Dunkeln brachen wir am Hotel auf, um an der Grenze möglichst wenig Wartezeit wegen anderer Fahrzeuge vor uns zu haben. Außerdem konnte sich unser Programm für diesen Tag sehen lassen: 25 Kilometer Fahrt zur Grenze, Ausreise aus der Mongolei, Einreise nach Russland, 230 Kilometer Fahrt nach Ulan Ude und um 17 Uhr Pressekonferenz in der buriatischen Hauptstadt. Da musste schon alles extrem glatt laufen, dass wir diese Punkte alle plangemäß abarbeiten konnten. Der erste Step war kein Problem – kurz nach 9.00 Uhr, der Öffnungszeit der Grenze, kamen wir dort an. Vor uns standen bereits zahlreiche Pkw, Kleinbusse und Lkws auf der Straße, doch wir wurden an allen vorbei gewunken. Mit Nasaas Hilfe erledigten wir die Formalitäten an der mongolischen Grenze erneut in außergewöhnlich kurzer Zeit. Wir danken besonders der mongolischen Regierung für diese zuvorkommende Behandlung an den Grenzen und die Organisation im Land. Keine anderthalb Stunden nach unserer Ankunft am Schlagbaum hieß es dann Abschied nehmen von unserem mongolischen Guide, der mittlerweile durch verschiedene Beiträge über unsere Expedition landesweit namentlich bekannt war. Auf diesem Weg möchten wir Nasaa noch einmal herzlichst für seinen Einsatz und seine Unterstützung danken. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen bei unseren nächsten Mongoleibesuchen!

Unerwartet schnell ging auch die Abfertigung an der russischen Grenze. Nachdem man uns kurz vor dem verschlossenen Einfahrts-Tor nach Russland im Niemandsland warten ließ – der Platz war gerade groß genug, dass unsere beiden Gespanne dort hintereinander parken konnten – ging dann alles relativ zügig. Die Passkontrollen waren kein Thema und auch auf die Abfertigung der Carnets ATA waren die Grenzbeamten bestens vorbereitet. Innerhalb von sensationellen fünfeinhalb Stunden hatten wir die Einreise geschafft. Das war die schnellste aller Grenzdurchfahrten nach Weißrussland und Russland. Grund genug, den russischen Grenz-Zoll-Behörden und der deutschen Botschaft sowie dem Generalkonsulat in Novosibirsk, die unsere Wiedereinreise bestens vorbereitet hatten, für diese zügige Behandlung außerordentlich zu danken!

Im Sprint ging es danach nach Ulan Ude. Hier kamen wir zwar nicht mehr rechtzeitig für die auf 17 Uhr angesetzte Pressekonferenz an. Aber die Gründerin und Vorsitzende der Offroad-Amazonen, Swetlana Budashkaeva, empfing uns zusammen mit ihrer Familie und eskortierte uns zum Hotel mitten im Stadtzentrum. Bei einem gemeinsamen Abendessen liessen wir in fröhlicher Runde unseren erfolgreichen Wiedereinreisetag nach Russland ausklingen.

Astrid Wallner

 

13.-15.12.2008 Ulan Ude – Aufbruch nach Jakutsk

geschrieben am um 10:56 von pny2009

Mit den Amazonen zur Lama-Schule

Heute hatten wir eine Entscheidung zu treffen, die uns nicht leicht gefallen ist. Durch einen Kontakt aus der Deutschen Botschaft in Moskau – dem wir an dieser Stelle sehr für sein Engagement danken – trafen wir in Ulan-Ude mit Slava Bulatow zusammen. Er hatte für uns verschiedene Dinge vorbereitet, die aber durch unser Dank Grenzübertritt verrutschtes Timing nicht geklappt haben. Was aber unbedingt sein musste, war unser Besuch eines der wichtigsten buddhistischen Tempel Russlands. Das Argument: Diese heilige Stätte muss man einfach besucht haben, wenn man in Buriatien ist. Das Wunder dieses buddhistischen Tempels, die in Buriatien “Datsan” genannt werden, ist ein sitzender Lama, der seit 70 Jahren nicht weiter altert. Darüber hinaus wurden wir in Ulan-Ude dermaßen herzlich empfangen, dass wir diese Einladung nicht einfach so ausschlagen wollten.

Unsere Bedenken, die es uns so schwer gemacht haben, diesen interessanten Vorschlag spontan anzunehmen, waren vielschichtig: Vor uns lag die nächste große Etappe nach Jakutsk mit 2.560 Kilometern, die wir ohne Zwischenstop bewältigen wollten – ohnehin schon eine grosse Herausforderung an das ganze Team. Die Wettervorhersage für die Strecke nach Jakutsk verhieß Nebel, viel Schnee und Temperaturen bis zu minus 50 Grad – auch keine optimalen Voraussetzungen, um die Strecke schnell zu bewältigen. Das Team hätte gerne den Tag früh begonnen und direkt vollständig zum Fahren genutzt. Die Befürchtung, dass wir durch den vorgeschlagenen Ausflug etwa die Hälfte unseres Vorsprungs auf den Zeitplan einbüßen würden, stand im Raum. Zusammengerechnet sind die Bedingungen dafür, wie von Matthias als Grobziel angegeben am 26.12. in Magadan einzutreffen, schon schwierig genug.

Dass wir den Ausflug zum buddhistischen Kloster “Gandan Dashi Choinkhoryg” dann doch gemacht haben, war eine der besten Entscheidungen, die wir bislang getroffen haben! Wir haben nicht nur Einblicke in das wichtigste buriatische buddhistische Zentrum erhalten, sondern auch in den mitfahrenden Baikal-Amazonen sowie Slava und seinem Sohn Roman neue, gute Freunde gefunden. Während einige der Amazonen die 30 Kilometer zum Kloster in den Jeeps bei Matthias und Evgeny mitfuhren und darüber sehr glücklich waren, haben wir eher von dem Rundgang durch das Klosterareal in der aufgehenden Sonne profitiert. Vermutlich hat jeder Einzelne aus dem Expeditionsteam einige der vielen Gebetstrommeln auf dieser Runde dafür genutzt, für das Gelingen der Expedition, unfallfreie Fahrt, gutes Durchkommen oder ähnlich hilfreiche Aspekte zu bitten. Darüber hinaus wurden wir von einem der Lamas über die Geschichte des Klosters und der Lamaschule informiert. Dieser frühe Sonntagsausflug hatte sich auf ganzer Linie gelohnt!

Zurück am Hotel hatte Swetlana, die Chefin der Baikal-Amazonen, kurzfristig ein TV-Team herantelefoniert, so dass wir durch die Interviews von Matthias und Evgeny fast die ausgefallene Pressekonferenz vom Vortag wettmachen konnten. Von dort aus ging es dann zu einem abschließenden gemeinsamen Mittagessen. Denn nach unseren Erzählungen vom Tag an der Grenze, den wir am Tag zuvor ohne warme Mittagsmahlzeit verbracht hatten, wollten uns die Freunde aus Ulan-Ude auf jeden Fall gut gewappnet auf unseren Weg nach Jakutsk entlassen. Und als ob diese Herzlichkeit, das interessante Programm, die Geschenke – am Vorabend gab es buriatischen Balsam, eine Art Kräuterlikör – und die fröhlichen Gespräche im Drei-Sprachen-Mix, kurz die ganze Gastfreundschaft, die uns in den vergangenen 20 Stunden entgegen gebracht wurde, nicht genug gewesen wären, erhielten wir zum Abschied einen Kontakt für unsere Unterbringung in Jakutsk.

Diese Begegnung hat allen ganz besonders viel Freude bereitet. Wir hoffen, dass wir uns eines Tages für die Gastfreundschaft revanchieren können. Den Kontakt zu den engagierten, interessanten Offroad-Fahrerinnen aus dem Club der Baikal-Amazonen werden wir auf jeden Fall aufrecht erhalten und ihre Aktivitäten weiterhin verfolgen. Karl Bauer aus Moskau und Slava in Ulan-Ude danken wir ganz besonders herzlich für die Vorbereitung unseres Aufenthalts und die perfekte Betreuung in Ulan-Ude.

Nach dieser schönen Begegnung und dem erfolgreichen Tempel-Ausflug waren wir für die lange Tour nach Jakutsk bestens gerüstet. Unser erster Orientierungspunkt unterwegs war die Stadt Chita in etwa 800 Kilometer Entfernung. Die haben wir etwa 24 Stunden nach Abfahrt aus Ulan-Ude erreicht - und direkt mal genutzt, um uns hemmungslos zu verfahren. Nachdem wir in einem Hinterhof feststeckten, kam uns die örtliche Polizei zur Abwechslung sehr gelegen: Mit der Hilfe ausgesprochen freundlicher Polizisten sind wir mit Blaulicht aus unserer Sackgasse herausgelotst und an den Stadtrand eskortiert worden. Hier haben wir unsere Fahrt wieder aufgenommen, kommen aber auf den zum Teil schwierigen, sehr holprigen Strecken nicht schnell voran. Wir sind gespannt, wie lange wir für unsere Fahrt nach Jakutsk insgesamt brauchen werden. Fest steht: Die Nachrichten über die minus 68 Grad, die derzeit in Jakutsk herrschen, scheinen wahr zu sein. Die Aussentemperaturen werden kälter und kälter. Den Tiefstwert unserer digitalen Thermometer mit minus 39 Grad haben wir längst unterboten - aktuell zeigen unsere provisorischen Aussenfühler eine Temperatur von minus 46 Grad. Brrr…

Astrid Wallner

Folgende Etappe wurde teilweise befahren: Ulan Bator - Jakutsk

 

09.-12.12.2008: Hustai – Ulan Bator

geschrieben am 12. Dezember 2008 um 14:46 von pny2009

Vom Nationalpark in die Millionenmetropole

“Das war unsere bislang schönste Strecke”, waren wir uns alle einig, als wir auf die kurze Asphaltpiste unmittelbar vor Ulan Bator auffuhren. Hinter uns lagen 200 Kilometer hügeliges Naturschutzgebiet und ein weites Tal entlang des Flusses Tuul. Absichtlich haben wir uns gegen den schnellen Weg über die Hauptstrasse von Hustai in die mongolische Hauptstadt entschieden: Wir hatten gehofft, einen Blick auf die frei lebende Przewalski-Herde in diesem Gebiet werfen zu können. Dieses Glück haben wir leider nicht gehabt. Für einen kurzen Moment konnten einige von uns  auf einer Bergkuppe zwei Pferde ausmachen, die von der Statur her zwei Urpferde hätten sein können. Nicht lange genug, um Fotos zu machen. Nicht einmal lange genug, damit jeder aus dem Team diese davonspringenden Wesen überhaupt erkennen konnte. Trotzdem hat uns die fantastische Landschaft für die nicht angetroffenen Urpferde vollends entschädigt.

In Ulan Bator sind wir exakt einen Tag vor dem Plan eingetroffen – entsprechend haben wir mit Nasaas Hilfe eine provisorische Übernachtung für uns und kurzfristig eine beheizte Garage für unsere Jeeps organisiert. Bei unserer Abfahrt am nächsten Morgen wurden wir dort von einem Studenten in fast perfektem Deutsch angesprochen. Ein Glücksfall, denn ab mittags stellte er sich mit seinem Auto als Guide für den Fotografen und das Kamerateam zur Verfügung. So erhielten wir reichlich Aufnahmen und spannende Fotos von allen möglichen interessanten und besonderen Plätzen in Ulan Bator. Währenddessen haben Matthias, Evgeny und Nasaa sich um die aufwendige Reinigung unserer Gespanne gekümmert, die durch lange Fahrten über teils staubige, teils schneebedeckte Pisten mit einer grau-braunen angefrorenen Kruste bedeckt waren.

Einen ganz besonderen Platz haben wir in der Hauptstadt für unsere planmäßigen Übernachtungen gefunden: Wir schlafen für zwei Nächte im Kempinski Hotel Khan Palace. Es ist nicht nur das beste Hotel am Platz, sondern tatsächlich das beste Hotel in der ganzen Mongolei. Sogar unser Bundespräsident hat schon hier genächtigt. Entsprechend genießen wir vor unserer langen, reinen Fahretappe nach Yakutsk und dann weiter nach Magadan noch einmal den Luxus eines renommierten Hauses unter deutscher Führung. Mit Aufnahmen unserer Jeeps und Trailer vor dem Hotel besiegeln wir diese neue Partnerschaft und danken ganz speziell dem Management des Hauses unter Herrn Stechow für die sehr zuvorkommende Aufnahme und Unterstützung.

Die Übernachtung erstklassig, die Gespanne frisch gereinigt und überholt – was wollten wir für unseren Stop in der mongolischen Metropole mehr, als eine gelungene Pressekonferenz? Und die gab es dann auch noch. Die Deutsche Botschaft Ulan Bator hat in Kooperation mit dem Presseinstitut zur Vorbereitung unserer Projektpräsentation hervorragende Arbeit geleistet: Vor gefülltem Saal und 150 Vertretern, vor allem aber Vertreterinnen, aller namhaften Medien im Land konnten wir unsere Expedition mit Hilfe einer versierten Dolmetscherin ausführlich darstellen und zahlreiche interessierte Fragen beantworten. Mit diesem umfangreichen Interesse hatten wir im Vorfeld nicht gerechnet, entsprechend waren wir begeistert.

Zum Abschluß unserer Tage in Ulan Bator waren wir als Ehrengäste zu einer Konferenz über regenerative Energien eingeladen. Veranstalter dieses hochrangig besetzten mehrtägigen Forums war das mongolische Ministerium für Mineralstoffe und Energie. Nach dem Minister, dem Präsidenten der mongolischen Akademie der Wissenschaften und einem Weltbankvertreter stellte Matthias die Expedition und die damit zusammenhängenden Aspekte der erneuerbaren Energien vor.

Nach diesen erfolgreichen Tagen in der mongolischen Hauptstadt führt uns die nächste Etappe wieder zurück nach Russland. Nach der Passage der mongolisch-russischen Grenze heißt unser nächstes Ziel Ulan Ude.

Astrid Wallner

 

06.-08.12.2008: Gobi Altay – Arvaiheer – Harhorin – Nationalpark Hustai

geschrieben am 8. Dezember 2008 um 14:45 von pny2009

Auf unserer Etappe von Gobi Altay nach Bayanhongor hatten wir an Fahrbelag eigentlich alles, was vorstellbar ist: harte Waschbrettpisten, extrem schwer zu fahrende Sandstrecken mit heftigsten Schlaglöchern, Schneepisten, Berg- und Talfahrten auf braunem Gras, ein schier unendliches Hochplateau mit gut zu fahrender Piste und absolut neuen, wunderbar glatten Asphalt auf den letzten zehn Kilometern vor unserem Ziel. Das hieß jedoch nicht mehr Bayanhongor, sondern Arvaiheer. Der Grund für diese spontane Änderung des Etappenziels: Die beheizte Garage sollte plötzlich zwanzig Mal mehr kosten, als zuvor vereinbart war.

Dank dessen, dass wir an der mongolischen Grenze so zügig und zuvorkommend abgefertigt wurden und wir auch bei den längeren Etappen mit Nachtfahrt trotz zweier spontaner Arbeitseinsätze an den Gespannen unerwartet gut voran gekommen sind, liegen wir seit unserer Einreise in die Mongolei vor dem Zeitplan. Diesen Vorsprung vor dem Expeditionstiming haben wir durch die Weiterreise nach Arvaiheer weiter ausgebaut. Entsprechend können wir die kommenden Tage entspannt angehen, was auch mal ein gutes Gefühl ist.

Durch die Zieländerung von Bayanhongor auf Arvaiheer mussten wir im Dunkeln einen Flusslauf durchqueren, von dem wir nicht sicher waren, ob dieser wirklich zugefroren war. Unmittelbar vor dem tatsächlich befahrbaren Flusslauf haben wir einen Tankstop eingelegt. Die routinemäßige Sichtkontrolle an Jeeps und Trailern endete dabei leider mit negativem Befund: Etliches war losgerüttelt, ein Spanngurt vom Ponton gerissen. Diese eigentlich geringfügigen Reparaturen sind bei Sturm mit Sand und Schnee in der Luft und einer Temperatur von minus 25 Grad zu einer riesigen Aktion für das ganze Team geworden. Um überhaupt erst den neuen Spanngurt anlegen zu können, musste zunächst der Kotflügel vom Anhänger abgebaut werden.  Glücklicherweise gab es direkt an diesem Flusslauf, dem Ort unseres Arbeitseinsatzes, eine Jurtensiedlung. Hier konnten wir uns aufwärmen und wir erhielten nach einer etwa zweistündigen Schraubaktion frisch zubereitete Nudeln, so dass wir gut gestärkt die Nacht durch fahren konnten.

Bei einer späteren Reparaturaktion hatten wir eine sehr kuriose Begegnung: Auf der Strecke nach Arvaiheer sind wir durch ein riesiges Tal gefahren – 30 Kilometer Weite nach links und nach rechts, nach vorne und hinten gab es eigentlich gar keine Begrenzung, außer uns kein Mensch in diesem Tal unterwegs. Matthias hatte nach dem Einschlag in eine gigantische Bodenwelle kurzfristig beschlossen, die vorderen Stoßdämpfer am F1 zu wechseln. Als wir an einem Steinhaufen das Auto aufgebockt hatten, zischte plötzlich ein Pkw heran, bremste ab und hielt neben uns. Vier Mongolen stiegen aus und erkundigten sich nach der Expedition und der Reparatur. Sofort wurden wir zu Pferdefleisch und Vodka eingeladen. Es gab ein improvisiertes Picknick mit allen verfügbaren Vorräten und wir bekamen noch eine weitere Flasche Vodka geschenkt. Wie sich herausstellte, hatten wir es mit einem Geschäftsführer eines großen mongolischen Unternehmens zu tun. Ganz kurios wurde es, als wir zum Abschied jeder eine Musik-CD dieses Mannes geschenkt bekamen und er Matthias und Evgeny auch noch zwei DVDs überreichte, auf denen er als Dschingis Khan mitgespielt hat.

Nächste Station nach Arvaiheer, wo wir erneut Jeeps und Trailer auf Rüttelschäden überprüft haben und das Team in einem guten Hotel ein bisschen Ruhe getankt hat, war Harhorin. In der alten Stadt von Dschingis Khan, die heute UNESCO Weltkulturerbe ist, erhielten wir eine englischsprachige Führung durch das Museum und die buddhistischen Tempel. Von dort aus sollte eine Jurtenübernachtung für uns organisiert werden – kein einfaches Unterfangen. Matthias hatte bereits auf seiner Scouttour durch die Mongolei in einem schönen Camp unmittelbar am Fuß der beeindruckenden Düne Elsen-Tasarhai übernachtet. Leider bestand diese Option für uns nicht, da dieses Jurten-Camp wie viele andere unterwegs ebenfalls bereits winterfest gemacht und nicht mehr bewohnbar war. So führte uns diese Etappe noch einmal 250 Kilometer weiter in Richtung Ulan Bataar in Jurten des Nationalparks Hustai.

Astrid Wallner

Folgende Etappe wurde teilweise befahren: Novosibirsk - Ulan Bator

 

03.-05.12.2008: Hovd - Gobi - Altay

geschrieben am 7. Dezember 2008 um 18:28 von pny2009

An der Wüste entlang zum Wasserkraftwerk

Matthias war schon mit dem Gefühl wach geworden, dass die Autos nach den 200 Kilometern Waschbrett-Piste dringend kontrolliert werden müssten. Intuitives Fahren: Das Gefühl war richtig! Beide Auspuffanlagen mussten befestigt und zahlreiche Schrauben nachgezogen werden. Nachdem Nasaas Mutter F1 und F2 geweiht und wir uns von seiner sehr freundlichen Familie verabschiedet hatten, machten wir uns in der anbrechenden Dunkelheit auf den Weg in den 450 Kilometer entfernten mongolischen Ort Altay.

Erneut waren wir auf harten Waschbrettpisten aus Stein und Sand unterwegs. Leider fuhren wir auch jetzt wieder im Dunkeln, so dass wir von dem Gebirge und dem großen See, die wenige Kilometer nach Hovd auf dem Weg lagen, wenig bis gar nichts gesehen haben. Das musste sich dringend ändern! Denn unsere heutige Etappe führte uns durch die Wüste Gobi. Und von der wollten wir uns alle ein Bild machen. Entsprechend sind wir gefahren bis alle Fahrer erschöpft waren und haben dann eine Schlafpause in den Autos eingelegt. Mit dem Sonnenaufgang über der Wüste wurden wir wach. Die Pause hatte sich gelohnt – der Blick war atemberaubend! Trotz der minus 27 Grad Außentemperatur sind wir alle mit gezückten Kameras nach draußen gesprungen. Unerfreulicherweise stand außer dem touristischen Highlight “Wüste Gobi im Sonnenaufgang” auch noch eine große Tankaktion mit Umpumpen an, so dass jetzt auch der Letzte im Team eine Idee von den Temperaturen hatte, die uns noch erwarten.

Die Wüste war landschaftlich sehr beeindruckend – die Bilder unseres Fotografen sprechen für sich. Aber auch die Begegnungen, die wir dort hatten, waren ganz besondere. Ein Ziegenhirte kam auf uns zu, um uns nach seiner Nacht draußen zwischen seinen Tieren um etwas zu trinken zu bitten. Eine Kamelkarawane kreuzte unseren Weg. Und bei einer Nomadenfamilie trafen wir Lkw-Fahrer, die kein Benzin zum Weiterfahren mehr hatten. Doch auch unsere Tanks waren leer – und das Bioethanol, das wir aus unserem großen Tank hätten spenden können, wäre dem russischen Laster nicht wirklich gut bekommen. Nach diesen Wüstenerlebnissen waren wir alle erstaunt, als wir nur wenige Kilometer weiter in den 12.000 Einwohner zählenden Ort Altay kamen. Größer hätte der Kontrast nicht sein können!

Die zentrale Botschaft unserer Expedition ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Ein Thema, das in der Mongolei höchste Priorität genießt. Jeder zweite Mongole nutzt bereits heute erneuerbare Energien für seine Versorgung. Das Land bietet alle Ressourcen zur Nutzung von Wind, Wasser und Sonne zur Gewinnung von Energie. Von Altay aus haben wir heute das größte Wasserkraftwerk der Mongolei, das Kraftwerk Taishir, besichtigt: Der Staudamm mit einer Höhe von 45 Metern wird 930 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten, wenn der Stausee in fünf bis acht Jahren wirklich angefüllt ist. Auch beim Anstauen des Wasservorrats wird auf die Natur Rücksicht genommen: Aus dem Fluss Zavkhan wird nur zusätzliches Hochwasser angestaut – das reguläre Wasser des Flusses folgt auch weiterhin seinem Verlauf. Eine Ingenieurin hat uns ihren Wirkungsbereich erklärt und uns in einen unterirdischen Tunnel unter der beeindruckenden Staumauer geführt. Mit diesem Bau sind die Mongolen auf einem guten Weg zu umweltverträglicher Energieerzeugung.

Astrid Wallner

Folgende Etappe wurde teilweise befahren: Novosibirsk - Ulan Bator

 

02.12.2008: Olgy - Hovd

geschrieben am 4. Dezember 2008 um 18:57 von pny2009

Pisten-Etappe mit Bergeaktion

Andere Länder, andere Sitten: Mit Frühstück einmal anders sind wir in unseren Tag gestartet. Im türkischen Restaurant gab es Sis Kebab und Suppe – wer weiß, wann es das nächste Mal etwas Richtiges zu Essen gibt. Während wir uns beim Türken gestärkt haben, hat sich offensichtlich ein Mensch mit anderen Frühstücksgewohnheiten am Kühlschrank in unserem Hotelzimmer bedient. Dort haben wir am Abend zuvor im Gefrierfach rohes Fleisch am Knochen gefunden – diese nicht gerade appetitliche Mahlzeit war verschwunden, als wir mit den Autos zurückkamen, um unser Gepäck einzuladen. Wie gut, dass wir auf dieses besondere Frühstücksangebot des Hotels nur zu gut verzichten konnten!

Nicht nur in punkto Frühstück, sondern auch in Sachen Telekommunikation haben wir gestern eine Grenze überfahren. Der Handyempfang hörte kurz hinter Novosibirsk auf, um dann noch einmal für das kurze Stück Grenzübergang von Russland zur Mongolei zurückzukommen. Danach ging an moderner, terrestrischer Telekommunikation nichts mehr. Wie gut, dass  Matthias unser On-Board-Satellitentelefon, -fax, und -email problemlos in Betrieb nehmen konnte! Nichtsdestotrotz sind wir an unseren Etappenzielen immer auf der Suche nach einem verlässlichen Internet-Zugang, um Bilder und Texte in größeren Mengen zu verschicken. Der Ullmann-Verlag und verschiedene Redaktionen sowie die Homepage warten ja ständig auf neuen Input. Hendrik und Astrid ist es an diesem Morgen in Olgy in einem öffentlichen Internet-Büro immerhin gelungen, in mehr als einer einstündigen Aktion den Tagesbericht von der Grenzüberfahrung zur Mongolei und drei dazugehörige Bilder zu verschicken.  Auch hier müssen wir für die Mongolei wohl neue Maßstäbe ansetzen.

Unter dem Gesichtspunkt der zu fahrenden Kilometer stand eine eher kurze Etappe für heute auf dem Expeditionsplan: Die beiden Etappenziele Olgy und Hovd liegen nur 200 Kilometer voneinander entfernt. Entsprechend haben Fotograf und Filmteam heute wieder reichlich Zeit auf der Straße zugebracht – wir hatten es ja nicht weit. Allerdings war diese Etappe die erste vollständige Strecke ganz ohne Straße. Auf Pisten aus Sand und Stein kamen wir nur langsam voran. Noch dazu hatten wir auf diesem Weg zwei Pässe mit über 2.600 Metern zu überqueren. Mit den schweren Gespannen hieß das Fahren in niedrigen Gängen über viele Kilometer.

Die Landschaft war atemberaubend. Seen, ein 4000er-Gipfel, schneebedeckte Berge und kahle Hügelketten aus Sand und Stein lagen auf unserem schwierigen Weg. Über weite Strecken hatten wir schon das Gefühl, in der Wüste unterwegs zu sein. So weit die Blicke schweifen konnten – und das war ganz schön weit – war kein Baum und kein Strauch zu sehen. Und auch kein anderes Auto. Auf den gesamten 200 Kilometern stand nur ein einziger Wegweiser am Straßenrand. Oft genug gelang es nur mit Hilfe unseres mongolischen Guides, den richtigen Weg zu finden.

Als die Landschaft gerade so richtig überwältigend war – ein weites, von Bergen umringtes Hochplateau-Tal, Seen links und rechts und ein Sonnenuntergang, wie er kitschiger nicht hätte sein können – wartete noch ein echter Offroad-Einsatz auf uns. Vor uns war ein Laster bei der Durchfahrung eines Flussbetts ins Eis eingebrochen. Die beiden Fahrer hatten bereits die gesamte Ladung neben dem Fahrzeug gestapelt und sich ein provisorisches Zelt aus einem abgespannten Tuch gebaut. Nicht viel angesichts von inzwischen minus 24 Grad Kälte und scharfem Wind. Sie warteten bereits seit zwei Tagen auf Hilfe. Kurz entschlossen hat Matthias die Winde am F1 aktiviert. Bei voll gezogener Bremse hat die Winde Jeep und Trailer mit acht blockierten Rädern Stück für Stück auf den Laster zugezogen. Selbst zusammen mit dem zweiten Fahrzeug konnten wir unsere 8,5 Tonnen schweren Fahrzeuge nicht stark genug ankern, um den 12 Tonner, der bereits im Eis eingefroren war, aus seiner Lage zu befreien. Etwa anderthalb Stunden haben wir uns mit beiden Fahrzeugen und allen zur Verfügung stehenden Kräften darum bemüht, den Lasterfahrern zu helfen. Leider vergebens. Wir hoffen, dass der Bulldozer, der zur Bergung des Lkws unterwegs ist, möglichst schnell bei den beiden Lasterfahrern eintrifft und sie aus ihrer lebensbedrohlichen Lage befreit.

In Hovd angekommen fanden wir freundliche Aufnahme bei Nasas Familie. Dort wurden wir köstlich bewirtet und rollten zu einer ruhigen Nacht unsere Schlafsäcke in der Wohnung aus.

Astrid Wallner

Folgende Etappe wurde teilweise befahren: Novosibirsk - Ulan Bator

 

29.11.-01.12.2008: Altay – mongolische Grenze – Olgy

geschrieben am 2. Dezember 2008 um 11:44 von pny2009

Berge, Schnee und wieder einmal Grenze

Mit zwei neuen Expeditionsteilnehmern – in Novosibirsk sind TV-Journalist Hendrik Pfefferkorn und Kameramann Marco Schwarzer zu uns dazu gestoßen – und vollständig neu gepackten, kältefesten Fahrzeugen sind wir nachmittags von Novosibirsk in Richtung mongolischer Grenze gestartet. Vor uns lagen 900 Kilometer und die Durchfahrung der landschaftlich extrem reizvollen russischen Region Altay. Diese Bergetappe hatte drei Herausforderungen für uns parat: den ersten Schnee, heftige Steigungen und Gefälle und das alles als Nachtfahrt. Solange wir noch ausreichend Licht hatten, gab die Strecke reichlich Foto- und Filmmotive her: Schafherden, Wildpferde, frei herumlaufende Kühe, grüne Flüsse, verschneite Bergkuppen und malerische Holzbrücken.

Etwa 50 Kilometer vor der russisch-mongolischen Grenze haben wir unser Übernachtungsquartier erreicht, das Hotel Transit in Kosh Agash. Die Überraschung: Dieses Hotel war das beste Haus am Platz – es ist das einzige Hotel mit Toiletten im Haus. Die zweite Etage war komplett für uns reserviert, dachten wir. Noch abends sahen wir, dass ein Mongole eines der Zimmer auf dieser Etage bewohnte. Nachts bezogen vier mongolische Frauen ein weiteres Zimmer bei uns. Als wir uns morgens startklar machten, erkannten wir dann, wie effizient die Räumlichkeiten tatsächlich genutzt wurden: Außer uns übernachteten etwa zwölf bis 15 Mongolen in diesen beiden Zimmern, die wir nicht belegt hatten. Wie gut, dass wir uns abends noch unter uns wähnten! Weil das einzige Restaurant von Kosh Agash geschlossen hatte, haben wir kurzerhand den örtlichen Supermarkt gestürmt, reichlich eingekauft, improvisiert für uns gekocht und nicht so richtig lecker, dafür aber in fröhlicher Runde, zu Abend gegessen.

Bei strahlendem Sonnenschein sind wir am Montagmorgen in Richtung russisch-mongolischer Grenze weitergefahren. Direkt in Kosh Agash mussten wir wegen unserer Dolmetscherin, die uns bis zur Grenzabwicklung auf russischer Seite begleiten sollte, beim Grenzamt vorsprechen. Ein unerwarteter Zusatztermin, der direkt dafür gesorgt hat, dass Matthias kein gutes Gefühl mehr im Hinblick auf die bevorstehende Grenzdurchfahrt hatte. Von da ab ging es auf einer kilometerlangen schnurgeraden Straße durch eine verschneite Hochebene ständig bergauf. Im Blick hatten wir die beginnenden Berge und eine vage Idee einer Rechtskurve am Horizont. Hier gab es noch einmal einen Foto- und Filmstop – Landschaft, Lands-end-Stimmung und das fantastische Licht mussten einfach festgehalten werden.

Unmittelbar nachdem wir wieder angefahren und die Kurve hinter uns gelassen hatten, kamen wir in den Grenzort Tashanta. Vor uns die Grenzaufbauten der russischen Seite, auf der Straße zwei Kühe und vor allem überhaupt kein Verkehr. Die Abfertigung unmittelbar an der russischen Grenze ging überraschend zügig. Wir wurden tatsächlich erwartet und innerhalb von drei Stunden, also wirklich schnell, abgefertigt. Mit einer eindrucksvollen Demonstration seiner Größe hat Russland sich vorübergehend von uns verabschiedet: Das Niemandsland zwischen Russland und seinem Nachbarn Mongolei ist ein über 20 Kilometer breiter, mit Zäunen gut gesicherter Streifen Gebirge.

Die Mongolei begrüßte uns dafür mit einer echten Sensation: Nicht nur, dass die gesamte Grenzstation extra für unsere Abfertigung über die normalen Dienstzeiten hinaus geöffnet war, haben die Grenzbeamten ihren Job auch noch in Rekordzeit erledigt. Innerhalb von unübertrefflichen 45 Minuten waren alle Carnets gestempelt, die Pässe kontrolliert, die Einreise genehmigt. Außerdem haben sich die freundlichen Beamten auch noch filmen und fotografieren lassen – an allen anderen Grenzen auf´s Schärfste verboten. Als i-Tüpfelchen auf dieser Einreise wartete wie abgesprochen unser Guide Nasa unmittelbar an der Grenze auf uns. Ein freudiges Wiedersehen mit Matthias machte diese unkomplizierte Einreise perfekt!

Nach einer kurzen Einkehr bei Tee und Nudeltaschen hatten wir das erste echte Stück Offroad-Strecke vor uns: Bei Schneetreiben und einer Sicht, die zum Teil nur zwei Meter betrug, sind wir unter Nasas Führung etwa 55 Kilometer verschneiter Bergpiste gefolgt. Wie gut, dass unser Guide an Bord war! Matthias hätten wir nie geglaubt, dass dieser Weg richtig ist. So sind wir zwar müde, aber einen ganzen Tag eher als geplant am Hotel in Olgy angekommen. Ein Vorsprung im Zeitplan, den wir vor allem der ausgesprochen erfolgreichen Kooperation an den Grenzübergängen zu verdanken haben. Dafür möchten wir vor allem den russischen, mongolischen und deutschen Ministerien und Behörden ganz besonders danken.

Astrid Wallner