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Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

26.04.2010: 193. Kurzmeldung (19:08 Uhr MEZ)

geschrieben am 27. April 2010 um 16:20 von admin

Während eines wenige Stunden andauernden Wetterfensters sind wir am vergangenen Freitag mit einer Sondermaschine der Tschukotavia nach Anadyr geflogen, die den kurzen Moment der Wetterruhe für einen eiligen Transport u.a. von Lebensmitteln nach Lavrentia nutzte.

Nach 1,5 Monaten des vergeblichen Wartens hatte ich am Tag zuvor entschieden, dass ein weiteres Warten keinen Sinn macht. Aufgrund der schweren Stürme war es dem Abwicklungsteam der russischen Behörden unmöglich uns in Uelen zu erreichen, bzw. dann in angemessener Zeit von dort wieder wegzukommen. In den 1,5 Monaten unseres Wartens konnte nur ein einziger Helikopter nach Uelen fliegen. Wir kamen nur raus, weil wir den verwegenen Skidoofahrer fanden, der sich unseren nächtlichem “Ausbruchsversuch” zwischen zwei Stürmen zutraute und die außergewöhnliche Verdienstchance nicht entgehen lassen wollte. Ein Höllenritt. Insofern kann ich die Bedenken der offiziellen Stellen nachvollziehen und akzeptieren. Mittlerweile ziehen die Frühlingsstürme über die Beringstraße. Eine Überquerung ist derzeit ausgeschlossen.

Gleichwohl bedeutet das für die Expedition neben einer hohen finanziellen Belastungen, eine mindestens monatelange Unterbrechung.

Ich werde zunächst nach Deutschland zurückkehren um Gespräche führen und dann entscheiden zu können wie wir weitermachen. Zur Fortsetzung ist insbesondere weiterhin eine Allianz von Partnern notwendig, die auch zukünftig die Expedition unterstützt.

Ich danke dem Team 2010, das durch alle  schwierigen Situationen hindurch ein sehr sehr hohes Maß an Willensstärke, Ausdauer und Mut bewiesen hat und freue mich über das bisher erreichte.

Für die überaus freundliche und freundschaftliche Aufnahme in Lavrentia  während der vergangenen Tage, möchten wir uns noch im Besonderen bei der Administration, bei Victor und Marina für die Herzlichkeit und bei dem netten Personal der gepflegten Unterkunft in der wir schlafen durften bedanken.

 

19.04.2010: 192. Kurzmeldung (10:10 Uhr MEZ)

geschrieben am 19. April 2010 um 14:25 von admin

Es stürmt seit der Nacht unserer Ankunft wie verrückt. Nicht eine Stunde nachlassend peitscht der Orkan den Schnee über die Beringsee, Uelen, Lavrentia, usw. Sturm und Schneetreiben total. Unmengen Neuschnee. Warten, warten, warten.

In der Stadt bereitet man sich zwischenzeitlich auch auf das Eintreffen eines Multimillionärs/Milliardärs vor, der schon ins Weltall flog und nun mit einem Ultraleichtflugzeug von Anadyr aus nach Lavrentia fliegen will.

Soweit wir es mit unserem eingeschränktem Russisch verstanden, soll ein größeres Flugzeug das Ultraleichtflugzeug zunächst in Teilen nach Anadyr bringen. Dort baut es die Crew zusammen. Dann fliegt der Chef mit dem kleinen Vogel nach Lavrentia. Dort soll es wieder zerlegt und in eine Cessna gepackt werden. Die Cessna wiederum soll den kleinen Flieger dann über die Beringstraße nach Amerika bringen. Upps. Außerdem ist ein Reisender auf dem Weg nach Uelen, der die Beringstraße im Sommer auf dem Weg der Tschuktschen und Eskimos per Jagdboot überqueren will.

 

16.04.2010: 191. Kurzmeldung (11:32 Uhr MEZ)

geschrieben am um 09:14 von admin

Nach Intensivstudium der Wetterlage haben wir gestern Nacht ein ganz kleines Wetterfenster (ca. acht Stunden) kurz vor dem Beginn eines neuen Sturms genutzt und sind in einem harten sechsstündigen Ritt, mit einem Snowmobil nebst Schlitten von Uelen 100 km nach Lavrentia gefahren um einige Tage hier zu warten.

U.a. haben wir so unsere Kommunikationslage deutlich verbessert und sind nicht total abgeschnitten.
Keine drei Stunden nach unserem Eintreffen ging der nächste Sturm wieder los, Schneetreiben setzte ein und hält an.

 

15.04.2010: 190. Kurzmeldung (11:33 Uhr MEZ)

geschrieben am 16. April 2010 um 10:31 von admin

So langsam wissen wir wie Gefangene sich fühlen, also schön brav bleiben. Seit fünf Tagen hat man uns das Telefon abgeschaltet (Ne ne, nicht was ihr denkt. Die Rechnung haben wir immer und sofort bezahlt.) und heute Morgen ist selbst die Salzwasserversorgung wegen eines Schadens ausgefallen. Damit geht jetzt auch die Heizung nicht mehr. Na ja, zum Glück haben wir wenigstens unsere dicken Mammutschlafsäcke.

Schau‘n mä ma.

 

14.04.2010: 189. Kurzmeldung (10:16 Uhr MEZ)

geschrieben am 15. April 2010 um 13:57 von admin

Situation wird schlechter. Das Wetter ist nach wie vor geprägt von Sturm, Schnee und Schneeverwehungen. Schwierige Zeit. Braunes Salzwasser bei jeder Gelegenheit tut sein Übriges.

Unsere Frischwasserreserve: noch ca. 40 Liter. Mal sehen.

 

13.04.2010: 188. Kurzmeldung (12:03 Uhr MEZ)

geschrieben am 14. April 2010 um 08:26 von admin

Gestern Abend war für einen ganz kurzen Moment Ruhe im Sturm.

Als gegen 20 Uhr der Wind fast schlagartig nachließ, die Wolken aufrissen, das Restlicht des Tages die Wasserrinne beleuchtete, war es täuschend angenehm. Das Wasser plätscherte, die Enten und Möwen schwammen. In der Nacht und heute Morgen dann wieder peitschender, eiskalter Nordwind. Die Rinne gibt es nicht mehr. Alles Eis. Das Wasser mit rund 35 Gramm Salz pro Liter fror in 12 Stunden wieder zu. Eis aus dem Norden drückt gewaltig nach.

An der Stelle wo gestern noch die Abrisskante war, saßen heute Morgen ca. zehn Jäger mit Gewehren im Anschlag und warteten darauf dass ein Seehund seine Nase durch ein Atemloch bzw. das berstende Eis nach draußen streckt. Volle Deckung bitte.

 

12.04.2010: 187. Kurzmeldung (12:15 Uhr MEZ)

geschrieben am 12. April 2010 um 16:20 von admin

Durch den starken Südsturm ist das Eis von der Küste Uelens und rund um das Cap nach dem Bruch nun ca. 1-2 km abgetrieben worden. Bedrohlich liegt es “vor Anker”, scheint uns zu beobachten wie wir es. Dreht der Wind und kommt aus Nord, ist die Rinne binnen Stunden wieder zu.

In der Rinne tummeln sich derzeit hunderte von Möwen und Enten. Keine Ahnung wo sich die alle versteckt hatten, denn gesehen haben wir außer Hunden und erlegten Seehunden hier die ganze Zeit nur ein paar Raben.

 

12.04.2010: 186. Kurzmeldung (06:41 Uhr MEZ)

geschrieben am um 16:19 von admin

Warten, warten, warten. Zum Warten verdammt.
Haben derzeit extrem schlechtes Wetter.

Es stürmt und schneit draußen seit Tagen als ob Frau Holle stinksauer ist und ein Tief jagt das Andere. Mittlerweile meterhohe Verwehungen an den Häusern und zwischen den Containern, die hier überall stehen. Die Temperaturen sind zwischenzeitlich auf um null Grad gestiegen, alles ist nass.
Die Autos sind zwar bis auf die Montage der Pontons und Hydraulik fertig, an Aufbruch ist aber nicht zu denken. Keiner kommt rein oder raus, hin oder weg. Die Stürme haben Tschukotka fest im Griff. Noch nicht mal die russischen Vestichots (Kettenfahrzeuge) fahren.

Mittlerweile können auch die beiden Wassertrucks, die Uelen aus einer rund vier Kilometer entfernten Quelle mit frischem Trinkwasser versorgen, wegen des meterhohen Schnees nicht mehr zu dieser vordringen. Gestern wurde daraufhin das Brauchwasser (Wasserhahn Küche, Heizung, etc.) auf Salzwasser umgestellt. Die Trucks können nun nur noch einige hundert Meter auf die gefrorene Lagune rausfahren und holen durch ein Bohrloch Salzwasser für das Heizkraftwerk.

Die Tage der hier wartenden - mittlerweile dezimierten - kleinen Mannschaft sind geprägt von Disziplin. Sie ist das oberste Gebot und sichert uns ab. Rudi und ich halten uns mit eiserner Strenge daran, als Garant um trotz aller Eindrücke hier durchzuhalten. Das ändert aber nicht, dass um uns herum Dinge passieren, die wir nicht beeinflussen können. So haben wir uns mittlerweile wieder von einem Teammitglied trennen müssen. Wenn ich eines Tages das Buch schreiben werde, kann ich vielleicht noch besser erzählen was sich zutrug, was uns widerfuhr, was belastete, welche Härten wir hier sahen und erlebten, wie sich scheinbar fügte was sich fügen soll - oder eben auch nicht.

 

Bildergalerie Egvekinot-Uelen

geschrieben am 10. April 2010 um 09:47 von admin

http://www.pny2009.com/cms/front_content.php?idart=2234&idcat=618&lang=1

 

09.04.2010: 185. Kurzmeldung (11:51 Uhr MEZ)

geschrieben am um 09:42 von admin

Also wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen das Bermuda ist da. Langsam wird es auch hier unheimlich.

Erst müssen wir Victor nach Moskau senden, wo er nur knapp den Terroranschlägen entgeht, dann ereignet sich gestern Morgen in geringer Entfernung zu uns ein Erdbeben (bei N 65.3 / W 170.7).

Wir kennen die Zusammenhänge noch nicht genau, aber die seismische Welle des Erdstoßes, der mit 4,7 gemessen wurde, scheint mit dafür verantwortlich zu sein, dass das Eis an der Küste Uelens in den Morgenstunden auf ganzer Länge abgerissen ist. “Ja leck mich am Ärmel!”

Um uns das besser anzusehen, haben wir heute eine ca. 10 km lange Wanderung entlang des Risses bis kurz vor “die drei Brüder” (eine Felsformation vor dem Cap) gemacht. Interesssant.

Dabei trafen wir auch auf einheimische Jäger, die das Abreißen des Eises zum Jagen und Fischen nutzen.